18.10.2026: US Triestina Calcio 1918 – FCD Conegliano 1907 1:0

Tor: 1:0 Lupi (40.)

Bericht: US Triestina Calcio. Klingt nach Serie A, Italia 90, chaotischer Curva – die guten alten Zeiten eben. Die sind hier lange vorbei. Mit der WM 1990 hat das Stadion nichts zu tun, der Koloss wurde erst 1992 gebaut, auch mit der Serie A und deren goldenen 90er Jahren hat Triestina nichts zu tun. Das letzte Mal spielte das Team 1959 in der höchsten Spielklasse Italiens, seitdem dümpelt man zwischen Zweit-  und Viertklassigkeit munter hin und her, wobei die Serie B auch schon mit 15 Jahren Abstand aus der Vergangenheit winkt. Das große Stadion hat also niemals Erstligaluft geschnuppert und angesichts der desolaten momentanen Situation wird es das wohl auch nie tun, denn bis es soweit wäre, wäre das Stadio Nereo Rocco längst nicht mehr erstligatauglich.

Der Traditionsklub selbst wurde 1918 gegründet – erstmals versteht sich. Wie so viele andere Vereine vom Stiefel zog auch Triestina den Pleitegeier magisch an und so wurde der Verein allein seit 1994 dreimal neu gegründet. Auch aktuell sieht es nicht besser aus: im Sommer gab es einen Eigentümerwechsel samt mitgebrachtem Sanierungsplan. Gleichzeitig laufen Ermittlungen wegen möglicher Bilanzdelikte und anderer finanzieller Unregelmäßigkeiten. Italien eben.

Sportlich verbrachte der Klub 26 Jahre in der Serie A, ohne dort jemals was gerissen zu haben bis auf die Vizemeisterschaft 1948 und so ist der größte Erfolg auch in der Serie B zu verbuchen, die man 1958 gewann und damit den direkten Wiederaufstieg klarmachte, ehe man im Folgejahr für immer aus der Beletage des italienischen Fußballs abstieg und nie mehr wiederkam. Aktuell sieht man sich hier die Serie D an, vierte Liga, hat keine namhaften Gegner mehr und hängt auch hier in der zweiten Tabellenhälfte fest. Der Sieg gegen Conegliano war erst der zweite im achten Spiel.

Die Curva Stefano Furlan, Heimat der Ultras, war leider ein relativ trostloser Anblick. Ein etwa 50-Mann-Haufen leistete gute Arbeit, wirkte in diesem großen Stadion aber natürlich sehr verloren. Traurig, wenn man den sicherlich gut 1.500 Mann starken Haufen vergangener Tage sieht, eingehüllt in Fahnen, Banner und dem Chaos der italienischen Ultraszene. Andererseits muss man erstmal so standhaft und so voller Leidenschaft sein, um während des Niedergangs des eigenen Vereins fest an seiner Seite zu stehen. Perspektive gibt es hier nämlich nicht.

Auch die 200.000-Einwohner-Stadt Trieste selbst, die erst seit 1918 zu Italien gehört, wird nicht gerade von Aufbruchstimmung verfolgt, maximal von Umbruchstimmung. Die wirtschaftliche Stärke der Stadt, vor allem durch den Seehandel, kommt nur bei wenigen Einwohnern an und so leidet sie unter (leichtem) Bevölkerungsrückgang und Überalterung. Letztere wird durch Stärkung von Wissenschaft und Forschung und den Zuzug junger Menschen versucht abzufedern, dazu fehlt es aber wieder an bezahlbarem Wohnraum für junge Studenten.

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